Jade entsteht tief unter der Erde, dort, wo tektonische Platten aufeinandertreffen: Fluide, die unter hohem Druck durch das Gestein wandern, lagern neue Minerale ab. Damit füllen sie entweder die Risse, entlang derer sie wandern, oder sie ersetzen das Gestein, durch das sie hindurchfließen, und im Lauf geologischer Zeiträume werden aus diesen Körpern Jadeit oder Nephrit. Jadeit wächst in Subduktionszonen, wo eine Platte unter eine andere abtaucht, Nephrit dort, wo heiße Fluide mit Marmor oder Serpentinit reagieren. Am Ende bestehen beide aus einer Masse winziger, ineinander verzahnter Kristalle; deshalb gehört Jade zu den zähesten bekannten Edelsteinmaterialien, obwohl sie auf der Mohs-Skala nur 6 bis 7 erreicht. Jedes Stück echten Jadeschmucks trägt noch Spuren davon, wie es entstanden ist.
Wie entsteht Jade?
Jade entsteht durch Metamorphose, tief unter der Erde, unter hohem Druck und unter Beteiligung wasserreicher Fluide, und nicht dadurch, dass Magma abkühlt oder sich Sediment ablagert. Die Fluide tragen gelöstes Natrium, Calcium, Magnesium und Kieselsäure durch das Gestein. Entweder lagern sie neue Minerale direkt in den Rissen ab, entlang derer sie wandern, oder sie reagieren mit dem Gestein, auf das sie treffen, und ersetzen dessen Minerale durch neue.
Man kann sich das wie ein Leitungssystem vorstellen. Die Fluide wandern entlang von Klüften und entlang der Kontakte zwischen verschiedenen Gesteinsarten, und deshalb wächst Jade dort, wo die Leitungen verliefen: in Adern, Linsen und Nestern statt in dicken, gleichmäßigen Schichten. Jadeit entsteht in mehreren Dutzend Kilometern Tiefe, Nephrit weniger tief, und in beiden Fällen muss das Gestein danach wieder angehoben und freigelegt werden. Das dauert noch einmal Millionen von Jahren.

Ist Jade ein metamorphes Gestein?
Jade ist ein metamorphes Gestein: Jadeit und Nephrit bestehen beide aus einer Masse kleiner Kristalle, die unter Druck und mit durchströmenden Fluiden gewachsen oder umkristallisiert sind. Weil ein Stück aus unzähligen Kristallen besteht und nicht aus einem einzigen, zählt es in der Geologie zu den Gesteinen. Diese Unterscheidung erklären wir in unserem Ratgeber zu der Frage, ob Jade ein Gestein oder ein Mineral ist. Keine der beiden Jadearten ist ein magmatisches Gestein, also aus geschmolzenem Gestein erstarrt, oder ein Sedimentgestein, also aus Schichten von Körnern aufgebaut.
Wie Jadeit in Subduktionszonen entsteht
Jadeit entsteht dort, wo eine ozeanische Platte unter eine andere Platte abtaucht, bei hohem Druck, aber nur wenigen hundert Grad Celsius, und er gelangt im Serpentinit wieder an die Oberfläche. Diese Kombination ist ungewöhnlich. Tief in der Erde steigen Druck und Temperatur normalerweise gemeinsam an, und Gestein in dieser Tiefe ist deshalb meist heiß. Eine Subduktionszone durchbricht dieses Muster: Die abtauchende Platte ist kalt und sinkt schnell genug ab, um großen Druck zu erreichen, bevor sie Zeit hat, sich zu erwärmen. Eine Übersichtsarbeit von 2015 zum Jadeitit weltweit setzt den größten Teil davon unter etwa 500 °C an, bei ungefähr dem 10.000- bis 20.000-Fachen des Drucks an der Oberfläche, und eine Studie zu guatemaltekischem Jadeitit kam auf rund 30 Kilometer Tiefe. Um das Mineral selbst und die heutigen Vorkommen geht es in unserem Ratgeber dazu, was Jadeit ist und wo er abgebaut wird.
Vereinfacht läuft der Vorgang in vier Schritten ab:
- Subduktion. Eine ozeanische Platte taucht unter eine andere Platte ab und nimmt natriumreichen Basalt und Sediment vom Meeresboden mit in die Tiefe.
- Entwässerung. Während die Platte absinkt und sich erwärmt, zerfallen wasserhaltige Minerale darin und setzen ein Fluid frei, das Natrium, Aluminium und Kieselsäure mitführt.
- Kristallisation. Das Fluid steigt in das Mantelgestein über der Platte auf, wandelt dieses Gestein in Serpentinit um und lagert darin Jadeitit ab.
- Hebung. Serpentinit ist leichter als das Gestein um ihn herum. Während er über Millionen von Jahren entlang von Verwerfungen aufsteigt, trägt er Blöcke aus Jadeitit in Richtung Oberfläche, wo die Erosion sie schließlich freilegt.
Warum Jadeit in Adern und Linsen vorkommt
Jadeitit wächst auf zwei Arten, und beide bringen unregelmäßige Körper hervor. An manchen Orten kristallisiert er direkt aus dem Fluid, während das Fluid durch Risse wandert, und füllt sie so, wie Minerale eine Ader füllen. An anderen dringt das Fluid in älteres Gestein ein, das in die Zone geraten ist, und wandelt es um. In der Geologie heißen diese beiden Typen P-Typ, von precipitated (ausgefällt), und R-Typ, von replaced (ersetzt).
In beiden Fällen sind die Körper in Form, Korn und Farbe unregelmäßig, und die Qualität kann sich innerhalb weniger Zentimeter ändern. Zwei Blöcke aus derselben Mine in Hpakant können völlig unterschiedliches Material sein. Vor allem diese Unregelmäßigkeit macht den Kauf von Jadeit-Rohsteinen zu einem Glücksspiel, im Handel Du Shi (赌石) genannt.
Wie Nephrit entsteht: zwei Wege
Nephrit entsteht bei geringerem Druck als Jadeit, wenn heiße Fluide mit einem von zwei magnesiumreichen Gesteinen reagieren: dolomitischem Marmor oder Serpentinit. In der Geologie sind die beiden Nephrit-Typen nach diesen Gesteinen benannt, und der Weg, auf dem ein Nephrit entsteht, bestimmt weitgehend seine Farbe.
Auf dem Weg über Marmor reagieren kieselsäurereiche Fluide, die oft von einem nahen Granit beim Abkühlen abgegeben werden, mit dolomitischem Marmor und wandeln das Karbonatgestein in Tremolit um. Marmor enthält wenig Eisen; deshalb stammt der meiste weiße und blasse Nephrit von diesem Weg, darunter der weiße Hetian-Nephrit aus dem Kunlun-Gebirge. Wo mehr Eisen oder Graphit vorhanden ist, kann derselbe Weg grünlichen oder schwarzen Stein ergeben.
Auf dem Weg über Serpentinit reagieren calciumreiche Fluide aus dem benachbarten Gestein entlang der Kontaktzone zwischen beiden Gesteinen mit dem Serpentinit. Serpentinit enthält mehr Eisen, deshalb wird dieser Nephrit grün, und oft zeigt er kleine schwarze Punkte aus Chromit oder Magnetit, die er vom Serpentinit selbst übernommen hat. Die Punkte gehören zur Entstehung des Steins und sind keine Schäden. British Columbia in Kanada, Neuseeland und der Östliche Sajan in Sibirien haben alle Nephrit dieser Art. Die Farbregel ist eine Tendenz mit Ausnahmen; an der Farbe allein kannst du deshalb nicht erkennen, auf welchem Weg ein Stück entstanden ist.
Woraus besteht Jade?
Jade besteht aus einer von zwei Mineralarten: aus Jadeit, einem Natrium-Aluminium-Silikat aus der Pyroxengruppe mit der Formel NaAlSi₂O₆, oder aus Tremolit und Aktinolith, Calcium-Magnesium-Silikaten aus der Amphibolgruppe mit der Formel Ca₂(Mg,Fe)₅Si₈O₂₂(OH)₂.
Jadeitit, das Gestein, das als Jadeit verkauft wird, besteht fast vollständig aus dem Mineral Jadeit und enthält meist etwas Eisen. Nephrit ist Tremolit, solange Magnesium überwiegt, und geht in Aktinolith über, je mehr Eisen den Platz des Magnesiums einnimmt. Die beiden Minerale wachsen außerdem in unterschiedlichen Formen, und beim Kauf zählt die Form mehr als die Formel. Jadeit kristallisiert in kurzen, blockigen Körnern, die dicht gepackt sind; so kann Licht in den Stein eindringen, und feiner Jadeit bekommt sein gläsernes Aussehen. Nephrit wächst als mikroskopisch feine Fasern, die zu Bündeln verfilzt sind und sich wie bei Filz kreuzen. Das verwandelt Licht in einen sanften, öligen Schimmer und macht den Stein bruchfester.
Die Farbe stammt von Spuren anderer Elemente; wie die einzelnen Farben heißen und was man ihnen nachsagt, erklärt unser Ratgeber zu den Farben von Jade. Bei Jadeit sorgt Chrom für die leuchtenden Grüntöne und Eisen für die matteren; bei Nephrit entsteht das Grün durch Eisen mit etwas Chrom, und weißer Nephrit enthält von beidem fast nichts.

Wie hart ist Jade?
Jade hat auf der Mohs-Skala eine Härte von 6 bis 7: Jadeit 6,5 bis 7, Nephrit 6 bis 6,5. Beide sind härter als Glas und als der meiste gewöhnliche Stahl, aber nicht härter als Quarz, das häufigste Mineral im Sand.
Die Mohs-Skala ordnet Materialien danach, welches welches ritzen kann; sie gibt also eine Reihenfolge an, keine gleich großen Stufen. Hier siehst du, wo Jade zwischen Dingen steht, mit denen sie im Alltag in Berührung kommt.
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Material |
Mohshärte |
Im Vergleich mit Jade |
|---|---|---|
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Gewöhnlicher Stahl, etwa eine Messerklinge |
Etwa 5,5, je nach Stahl |
Ritzt Jade in der Regel nicht; gehärteter Stahl kommt nah heran |
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Fensterglas |
Etwa 5,5 |
Ritzt Jade nicht; Jade ritzt Glas |
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Nephrit |
6–6,5 |
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Jadeit |
6,5–7 |
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Quarz: Sand, Staubkörner, Kugeln aus Bergkristall |
7 |
Ritzt Nephrit und kann auf Jadeit Spuren hinterlassen |
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Saphir und Rubin |
9 |
Ritzen beide Jadearten |
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Diamant |
10 |
Ritzt beide Jadearten |
Jade ist nicht der härteste Stein: Saphir, Rubin und Diamant stehen alle über ihr, und wie sich Jade und Diamant unterscheiden, zeigt unser Vergleich von Jade und Diamant. Diamant ist viel härter, aber Jade ist viel schwerer zu zerbrechen.

Bekommt Jade Kratzer?
Jade kann von allem zerkratzt werden, was mindestens so hart ist wie sie, und meist sind harte Quarzkörnchen schuld. Ein Küchenmesser hinterlässt in der Regel keine Spuren; deshalb ritzen manche Kaufinteressierte einen Stein mit einem Messer, um zu beweisen, dass er Jade ist. Dieser Test beweist aber nichts: Auch Glas und Quarz widerstehen einer Klinge, Stahl ist unterschiedlich hart, und wer an einem fertigen Stück kratzt, kann es beschädigen. Welche Prüfungen tatsächlich etwas aussagen, erklärt unser Ratgeber zu Jade-Tests für zu Hause.
Im Alltag hinterlassen ein staubiges Tuch, Sand in der Tasche oder ein Quarzarmband, das neben der Jade getragen wird, mit der Zeit feine Kratzer, und Nephrit bekommt etwas leichter Spuren als Jadeit. Wenn du Jade in einem eigenen Beutel aufbewahrst, getrennt von Diamanten, Saphiren und Quarz, vermeidest du den größten Teil dieser Abnutzung.
Ist Jade ein weicher Stein?
Jade ist kein weicher Stein: Selbst Nephrit, auf Chinesisch Ruanyu oder „weiche Jade“ genannt, hat auf der Mohs-Skala 6 bis 6,5 und ist härter als Glas. Der Name hält nur die halbe Stufe zwischen ihm und Jadeit fest, der „harten Jade“. Beide Namen sind recht jung: Es sind Übersetzungen der Namen Jadeit und Nephrit, die 1890 in Japan geprägt und 1921 ins Chinesische übernommen wurden.
Hängt die Härte von Jade von ihrer Farbe ab?
Die Farbe bestimmt nicht, wie hart Jade ist: Weißer, grüner und lavendelfarbener Jadeit liegen alle im selben Bereich von 6,5 bis 7 auf der Mohs-Skala, weißer, grüner und schwarzer Nephrit im selben Bereich von 6 bis 6,5. Innerhalb jeder Art machen Struktur und Gefüge mehr aus als die Farbe; an der Farbe kannst du die Härte eines Steins also nicht ablesen.
Wie robust ist Jade?
Für einen Edelstein ist Jade außergewöhnlich robust, und das liegt daran, wie ihre Kristalle ineinandergreifen. Ein Riss, der in Jadeit beginnt, muss ein Korn nach dem anderen durchtrennen, und jedes Korn liegt in einer anderen Richtung; ein Riss, der in Nephrit beginnt, muss sich durch einen Filz aus Fasern hindurchwinden und sie auseinanderreißen. Eine Laborstudie von 1973 maß die Bruchflächenenergie, also die Energie, die nötig ist, um einen neuen Riss zu öffnen: Jadeit brauchte etwa 24-mal so viel wie Glas, Nephrit fast doppelt so viel wie Jadeit. Die Zahlen stammen von Probekörpern, nicht von fertigen Stücken, die auf den Boden fallen.
Härte und Zähigkeit messen verschiedene Dinge. Die Härte gibt an, wie gut ein Stein Kratzern widersteht, die Zähigkeit, wie gut er dem Zerbrechen widersteht. Jadeit ist etwas härter als Nephrit, aber Nephrit ist der zähere der beiden. Nephrit wird oft der zäheste Edelstein genannt, und nach den Messungen von 1973 liegt er vor Jadeit, Glas und Quarz. Keine Studie hat aber alle natürlichen Materialien verglichen, und „der zäheste der Welt“ ist deshalb eine Redensart. Wegen derselben Zähigkeit schliffen frühe Kulturen von China bis Neuseeland Jade zu Beilen und Dechseln, und deshalb lässt sie sich dünn schnitzen, ohne zu brechen.
Den Unterschied sehen wir an Stücken, die Kundinnen und Kunden uns nach einem Missgeschick zurückbringen: Ein Jade-Armreif aus Nephrit kommt meist mit einem Ausbruch oder einer Delle zurück, nicht glatt durchgebrochen. Die Zähigkeit hat aber Grenzen. Mehr als die Hälfte der zerbrochenen Armreifen, die wir sehen, ist beim Abnehmen oder Anlegen heruntergefallen, meist auf Fliesen; deshalb raten wir, beides über einem Bett oder einem Handtuch zu tun. Wenn ein Armreif doch zerbricht, geht es in unserem Ratgeber zu zerbrochener Jade um die Reparatur und um die alten Bräuche. Zerbricht ein Stück nach einem Stoß, der sich fast nach nichts angefühlt hat, geht das meist auf einen feinen Riss zurück, der schon im Stein war, entstanden bei seiner Bildung oder beim Schneiden.
Welche physikalischen Eigenschaften hat Jade?
Welche physikalischen Eigenschaften Jade hat, hängt davon ab, um welche Jade es sich handelt: Jadeit ist etwas härter, schwerer und gläserner, Nephrit zäher, leichter und im Glanz öliger. Die Werte unten sind typisch und verschieben sich je nach Zusammensetzung ein wenig.
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Jadeit |
Nephrit |
|---|---|---|
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Mineral |
Jadeit, Pyroxengruppe |
Tremolit bis Aktinolith, Amphibolgruppe |
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Mikrostruktur |
Ineinander verzahnte, körnige Kristalle |
Verfilzte, mikroskopisch feine Fasern |
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Mohshärte |
6,5–7 |
6–6,5 |
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Zähigkeit |
Ausgezeichnet, etwas geringer als bei Nephrit |
Außergewöhnlich, höher als bei Jadeit |
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Dichte |
Etwa 3,34 |
Etwa 2,95 |
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Brechungsindex |
Etwa 1,66 |
Etwa 1,61 |
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Glanz |
Glas- bis Fettglanz |
Fett- bis Glasglanz, oft Wachsglanz |
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Transparenz |
Undurchsichtig bis halbdurchsichtig |
Durchscheinend bis undurchsichtig |
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Bruch |
Splittrig bis körnig |
Splittrig |

Ist Jade schwer?
Jade ist für ihre Größe schwer, und Jadeit ist der schwerere der beiden: Ein Stück Jadeit wiegt etwa ein Viertel mehr als dasselbe Stück aus Quarz, dessen relative Dichte bei etwa 2,65 liegt, und etwa ein Achtel mehr als dasselbe Stück aus Nephrit. Die relative Dichte vergleicht das Gewicht eines Steins mit dem Gewicht des gleichen Volumens Wasser und ergibt dieselbe Zahl wie die Dichte in Gramm pro Kubikzentimeter; Jadeit hat also eine Dichte von etwa 3,34 g/cm³, Nephrit von etwa 2,95 g/cm³. In der Hand ist das Gewicht nur ein Hinweis. In der Gemmologie misst man die relative Dichte mit einer Waage, und selbst das grenzt die Möglichkeiten nur ein, statt den Stein zu bestimmen.
Wie gelangt Jade aus der Tiefe an die Oberfläche?
Jade gelangt an die Oberfläche, wenn Gebirgsbildung sie anhebt und Erosion das Gestein darüber abträgt; Flüsse und Gletscher brechen sie dann los und tragen sie als Blöcke und Kiesel fort, umhüllt von einer verwitterten Rinde.
Ein großer Teil der abgebauten Jade liegt nicht mehr dort, wo sie entstanden ist. Der meiste Jadeit-Rohstein in Hpakant wird als Blöcke aus alten Flussschottern ausgegraben und nicht aus dem anstehenden Gestein geschnitten, und der begehrteste Hetian-Nephrit wird aus Flussbetten und trockenen Flussrinnen unterhalb seiner Lagerstätten gesammelt. Verwitterung, Frost und Erdbeben brechen Stücke von der primären Lagerstätte ab, Flüsse tragen sie flussabwärts, und über lange Zeiträume schleifen Sand und Wasser ihre Ecken ab. Fließendes Wasser sortiert den Stein außerdem. Jade widersteht dem Zerbrechen weit besser als das Gestein um sie herum; ein Fluss zerreibt deshalb das schwächere Gestein zu Sand und lässt die Jade angereichert in seinen Schottern zurück. Die Stücke, die das überstehen, sind meist dicht und intakt, auch wenn Flusssteine trotzdem Risse haben können.

Die Rinde ist das Letzte, was der Stein bekommt. Lange Einwirkung von Witterung und mineralhaltigem Wasser verändert seine Außenseite. Bei Flusskieseln aus Hetian heißt die farbige Rinde Pi Se (皮色); warum Kiesel mit dieser Rinde mit Aufpreis verkauft werden, erklärt unser Ratgeber zu den drei Formen von Hetian-Jade. Bei meinen Einkäufen haben Jadeitblöcke aus dem Fluss meist eine dünne Rinde, die mehr vom Inneren zeigt, während Blöcke, die abseits des Flusses lagen, oft eine dicke Rinde über einer trüben Schicht tragen, die Händler Wu (雾) nennen, „Nebel“; so oder so zeigt ein poliertes Fenster nur eine kleine Stelle. Um Rohsteine vor dem Schneiden geht es in unserem Ratgeber zum Erkennen von Rohjade. Auch gelber und roter Jadeit entstehen nahe der Oberfläche: Nachdem der Stein freigelegt ist, sammeln sich Eisenminerale in der Rinde und entlang von Rissen, und deshalb gilt Grün im Handel als Ursprungsfarbe, Gelb und Rot als nachträglich entstandene Farben.

Eine Rinde verdeckt den Stein aber auch, und sie lässt sich leicht fälschen: Edelsteinlabore haben Armbänder aus Nephrit mit einer nachgemachten, mit Kunstharz gefüllten Rinde dokumentiert. Eine Rinde allein beweist also weder, dass der Stein aus einem Fluss stammt, noch, dass er gut ist.
Warum kommt Jade nur an wenigen Orten vor?
Jade kommt nur an wenigen Orten vor, weil sie zu ihrer Entstehung seltene Bedingungen braucht und danach unbeschädigt an die Oberfläche gelangen muss. Bei Jadeit müssen die meisten Bedingungen zusammenkommen: eine Subduktionszone, Serpentinit, die richtigen natrium- und aluminiumreichen Fluide und danach Hebung und Erosion, die ihn nach oben bringen, bevor er umgewandelt oder wieder verschüttet wird. Eine Übersichtsarbeit von 2015 zählte weltweit 19 Fundorte von Jadeitit, und nur wenige davon liefern Material in Edelsteinqualität. Nephrit braucht weniger und kommt auf mehr Kontinenten vor. Wo die Lagerstätten liegen, zeigt unser Ratgeber dazu, wo Jade vorkommt, Land für Land, und in einem eigenen Vergleich von Jade aus Myanmar, Guatemala und Hetian stellen wir diese drei Herkünfte nebeneinander. Die Herkunft beschreibt typisches Material, nicht die Qualität eines einzelnen Stücks.
Wie sich die Entstehung von Jade am fertigen Stein zeigt
Die Entstehung von Jade zeigt sich am fertigen Stein in Struktur, Transluzenz, Farbverteilung, natürlichen Linien im Stein und Rissen, also in mehreren der Merkmale, nach denen Jade im Handel bewertet wird. Wie die ersten beiden bewertet werden, zeigt unser Vergleich von Imperial-, Eis- und apfelgrüner Jade.
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Begriff im Handel |
Was er beschreibt |
Woher es kommt |
|---|---|---|
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Zhong (种), Struktur |
Wie fein und dicht gepackt die Kristalle sind |
Die Korngröße wird festgelegt, während das Gestein kristallisiert, und danach durch spätere Verformung und Umkristallisation verändert |
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Shui (水), Transluzenz |
Wie weit Licht in den Stein eindringt |
Entsteht durch feine, eng ineinandergefügte Körner aus fast reinem Jadeit |
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Fleckige oder aderförmige Farbe |
Farbe, die sich in Streifen oder Zonen sammelt |
Bei einem großen Teil des grünen Jadeits kam das Chrom mit den Fluiden, während die Kristalle wuchsen, oft entlang von Klüften; die Farbe folgt deshalb meist dem alten Leitungssystem |
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Cui Xing (翠性), Lichtblitze |
Winzige Lichtpunkte auf einer polierten Fläche |
Entsteht, wenn Licht von den ebenen Spaltflächen einzelner Jadeitkristalle zurückgeworfen wird |
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Natürliche Linien im Stein |
Verheilte Risse |
Alte Risse, die durch späteres Mineralwachstum verheilt sind; sie sind meist weniger ernst als ein Riss, auch wenn Länge, Tiefe und Lage trotzdem eine Rolle spielen, und wie eine Linie im Handel genannt wird, beweist allein nicht, was sie ist |
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Risse |
Brüche, offen oder im Inneren verborgen |
Entstehen durch Spannungen bei der Hebung oder später; beim Schneiden muss man sie umgehen |
Die Zeile zur Farbe hat eine praktische Seite, die alle lernen, die Jadeit kaufen. Wer in Hpakant in den Minen arbeitet oder mit Jade handelt, fasst sie in dem Spruch „Von zehn Grünen haben neun Risse“ (十绿九裂) zusammen: Grün sammelt sich meist entlang der alten Fluidwege, und an diesen Wegen reißt der Stein später oft. Der Spruch beschreibt eine Tendenz und keine Regel, passt aber zu dem, was ich beim Einkauf von Rohsteinen für Armreifen sehe. Legst du eine Reihe halbdurchsichtiger Steine mit einem durchgehenden Farbband nebeneinander, verbergen die meisten davon Risse, große oder kleine; nur wenige ergeben einen rundum grünen Armreif, der jeden Riss umgeht. Grün an einem fertigen Stück bedeutet aber nicht, dass das Stück Risse hat; jedes Stück muss einzeln geprüft werden. Das Grün zwischen den Rissen ist nicht verloren: Es lässt sich zu kleineren Stücken schneiden, etwa zu den Cabochons in hängenden Jadeit-Ohrringen. Der rundum grüne Armreif bleibt trotzdem selten, und diese Seltenheit ist zusammen mit dem Glücksspiel beim Rohsteinkauf ein großer Teil der Antwort darauf, warum feine Jade so teuer ist.
Nach Rissen suche ich an jedem Fenster, der kleinen Fläche, die Händler durch die Rinde polieren. Ich finde sie dort, wo das Fenster an die Rinde stößt, und verfolge sie, um zu sehen, in welche Richtung sie in den Stein hineinlaufen; diese Richtung entscheidet, wo die Säge ansetzen kann, wenn der Rohstein geöffnet wird.

Wie wird aus Jade Schmuck?
Aus Jade wird in fünf Schritten Schmuck: Schneiden, Entwurf, Schnitzen, Polieren und Wachsen. Unser Jadeit durchläuft alle fünf in unserer eigenen Werkstatt in Kunming, und weil Metallwerkzeuge Jade kaum schneiden, wird bei jedem Schritt, der Stein abträgt, mit Diamantwerkzeugen oder Schleifmitteln gearbeitet.

- Schneiden. Wir öffnen den Rohstein mit einer ölgekühlten Säge oder einer Diamantseilsäge und folgen dabei den Rissen und den Farbbändern, damit der Schnitt größere Brüche umgeht und das brauchbare Material erhält. Im Handel gilt der erste Schnitt als die wichtigste Entscheidung des ganzen Vorgangs, weil sein Winkel sowohl die Ausbeute als auch den endgültigen Wert bestimmt.
- Entwurf. Auf den geschnittenen Block wird der Entwurf gezeichnet, abgestimmt auf Form, Farbe und Fehler des Blocks: Die Risse sollen umgangen, die Farbe gut genutzt und so wenig Material wie möglich verschwendet werden. Einen Farbfleck genau dort zu platzieren, wo der Entwurf ihn braucht, nennt man Qiaose (俏色), und wo ein feiner Riss bleibt, verläuft das Motiv an ihm entlang statt quer über eine offene Fläche. Wenn man um einen Riss herum schnitzt, wird der Stein an dieser Stelle dadurch aber nicht stabiler; jeden Riss, der in einem fertigen Stück bleibt, sollte man deshalb vor dem Kauf zeigen, und wir schicken auf Anfrage Fotos unserer Stücke im Gegenlicht. Aus einem Block mit gleichmäßiger Farbe und ohne Risse kann ein Armreif werden oder ein Jadeit-Ring aus einem einzigen Stück; ein Block, dessen Farbe in einer Ecke sitzt, wird eher zu einem geschnitzten Jade-Anhänger.
- Schnitzen. Überschüssige Jade wird weggeschliffen, zuerst, um die Form grob herauszuarbeiten, dann für die Details. In unserer Werkstatt werden Stücke in Handelsqualität meist maschinell geschnitzt und von Hand nachgearbeitet, hochwertige Stücke dagegen vollständig von Hand geschnitzt, wobei elektrisch betriebene Diamantwerkzeuge von Hand geführt werden. Den Unterschied erklärt unser Ratgeber zu handgeschnitzter und maschinell geschnitzter Jade.
- Polieren. Die Oberfläche wird mit immer feineren Schleifstäbchen und Diamantpulver bearbeitet, von groben Körnungen, die Werkzeugspuren entfernen, bis zu feinen, die eine gläserne Politur hervorbringen. Dabei muss jede Werkzeugspur verschwinden, ohne dass die Kanten der Schnitzerei verwischen, und dieser Schritt entscheidet weitgehend darüber, wie sich das fertige Stück anfühlt.
- Wachsen. Das fertige Stück wird gereinigt, in heißes Wachs getaucht, das als dünne Schicht mikroskopisch kleine Poren in der Oberfläche füllt, dann abgekühlt und nachpoliert. Eine dünne Schicht Polierwachs ist bei Jade ein üblicher letzter Arbeitsschritt: Sie verstärkt den Glanz, ohne den Stein im Inneren zu verändern, und nutzt sich beim regelmäßigen Tragen ab. Jadeit Typ A (im Handel oft „A-Jade“) erhält häufig diesen Abschluss. Hinter Jadeit Typ B steckt dagegen nicht das Wachsen: Er wird mit Säure gebleicht und anschließend mit Polymer oder Wachs imprägniert. Ob ein Stück Typ A ist, ist eine Frage der Behandlung, und das klärt ein Laborbericht.
Weitere Fragen zur Entstehung von Jade
Wie lange dauert es, bis Jade entsteht?
Eine einheitliche Entstehungsdauer gibt es bei Jade nicht. Das Gestein kristallisiert über geologische Zeiträume, die Hebung dauert weitere Millionen Jahre, und danach legt die Erosion es frei. Wie lange die Entstehung zurückliegt, ist eine andere Frage: Die am häufigsten zitierte Datierung gibt für Myanmars Jadeitit ein Alter von etwa 77 Millionen Jahren an, ältere Zirkonalter aus demselben Gestein lassen die Frage aber offen. Der Nephrit von Cowell in Südaustralien entstand, als sein Wirtsgestein vor etwa 1,7 bis 1,6 Milliarden Jahren umgewandelt wurde.
Kann man Jade im Labor herstellen?
Jadeit lässt sich im Labor herstellen, aber synthetischer Jadeit ist kein Schmuckmaterial geworden. General Electric stellte in den 1980er-Jahren synthetischen Jadeit in Edelsteinqualität her, und die CIBJO, der Weltverband der Schmuckbranche, beschreibt synthetischen Jadeit in ihrem Jade-Leitfaden von 2026 noch immer als experimentell hergestellt und als Forschungsprobe erhältlich. Ein Stück, das als „im Labor gezüchtete Jade“ angeboten wird, ist deshalb viel eher Glas oder eine andere Imitation als synthetischer Jadeit, und welches Material es ist, sagt nur ein Laborbericht.
Woher stammt Jade ursprünglich?
Menschen begannen an mehreren Orten unabhängig voneinander, Jade zu bearbeiten, darunter in China, Mesoamerika und Neuseeland, jedes Mal mit Steinen aus der Gegend. Die älteste bekannte Tradition ist die chinesische: Geschnitzte Jade aus Xiaonanshan in Heilongjiang ist etwa 9.000 Jahre alt. Um die Dynastien und die großen Fundstücke chinesischer Jade geht es in unserem Ratgeber zu Jade in der chinesischen Kultur und Geschichte, und welche Bedeutung der Stein mit der Zeit bekam, erklärt unser Artikel über die Bedeutung von Jade und die fünf Tugenden. In fast allen dieser 9.000 Jahre war chinesische Jade Nephrit; Jadeit kam erst im 18. Jahrhundert in größeren Mengen aus Birma nach China.
Wer hat entdeckt, dass hinter Jade zwei verschiedene Steine stecken?
Der französische Mineraloge Alexis Damour zeigte 1863, dass hinter Jade zwei verschiedene Steine stecken: Als er Jadeobjekte untersuchte, die aus China nach Paris gebracht worden waren, fand er in einigen davon ein eigenes Mineral und nannte es Jadeit. Das andere Material hatte seinen Namen schon, denn der deutsche Geologe Abraham Gottlob Werner hatte den traditionellen chinesischen Schnitzstein 1780 als Nephrit beschrieben. In China hielt man die beiden im Handel bereits auseinander. Ab der Qing-Dynastie wurde burmesischer Jadeit als Feicui (翡翠) verkauft, während Yu (玉) im klassischen Jadehandel vor allem Nephrit bezeichnete, und das Laborzertifikat, das jedem unserer Stücke beiliegt, verwendet bis heute diese Namen: 翡翠 für Jadeit und 和田玉, Hetian-Jade, für Nephrit.
Ich bin Hong, Gründer von BMjade. Seit 2016 kaufe ich Jadeit-Rohsteine in allen sechs Hauptminen von Hpakant, und seit ich mich in die Geologie eingearbeitet habe, kaufe ich anders ein. Eine Rinde, ein grüner Streifen oder die Art, wie die Ecken eines Blocks abgeschliffen sind: Das ist die Geschichte des Steins, außen auf ihm geschrieben, und sie gut zu lesen ist der größte Teil der Arbeit. Mehr darüber, wie wir arbeiten, erzählen wir auf unserer Seite Über uns.
Quellen
- GIA. „Jade.“ Edelsteinbeschreibung. Abgerufen im Oktober 2026.
- Harlow, George E., Tatsuki Tsujimori und Sorena S. Sorensen. „Jadeitites and Plate Tectonics.“ Annual Review of Earth and Planetary Sciences 43 (2015): 105–138.
- Hughes, Richard W., Olivier Galibert, George Bosshart, Fred Ward, Thet Oo, Mark Smith, Tay Thye Sun und George E. Harlow. „Burmese Jade: The Inscrutable Gem.“ Gems & Gemology, Frühjahr 2000.
- Bradt, R. C., R. E. Newnham und J. V. Biggers. „The Toughness of Jade.“ American Mineralogist 58 (1973): 727–732.
- CIBJO, The World Jewellery Confederation. „CIBJO Jade Guide: A Taxonomy for Fei Cui, Jade, Jadeite, Jadeitite, Nephrite and Yu.“ Gültig ab September 2026. Abgerufen im Oktober 2026.